Notfalls mit der Brechstange! Meine kleine Biografie! Kapitel 4 (Teil 2)

Spielgruppe

Spielgruppe

Wie sahen denn jetzt meine Leistungen so aus?

Ich umreiße mal kurz: Ich gründete zum Beispiel mit einer Partnerin eine Spielgruppe. Im Aufbau und der Organisation glänzte ich, bei der Durchführung dann weniger. Ich war einfach nicht zufrieden. Das war nicht meine Berufung. “Man, Gott sagt mir einfach nicht, was meine Berufung ist”, fing ich das Quengeln an. Und immer im Hinterkopf den eingebildeten “Mitgliedsbeitrag” den ich an den “Leistungsclub Gott” überweisen musste.

Ich war sauer – sauer auf mich.

Ja, ich hielt nicht mehr viel von mir. Immer häufiger flüsterte ich das Wort “Versager” und meinte mich dabei. Wenn irgendetwas schief lief, und sei es nur der berühmte Sack Reis, der in China umfiel, wer war wohl Schuld? Genau ich!

Ich fragte in solchen Momenten immer: “Was habe ich getan…”

Kurz darauf kam ich dann mit dem Mitgliedsbeträgen echt in Verzug. Mein Mann bekam einen Bandscheibenvorfall, der ihn von Januar bis ca. April lahm legte und ihm am Ende noch den Job kostete. Ich kämpfte am Rande meiner Kräfte, um so viele verschiedene “Bälle” in der Luft zu jonglieren.

Im Sommer waren wir dann drauf und dran wegzuziehen, dorthin, wo es Arbeit für meinen Mann gab. Im letzten Augenblick fand sich aber noch eine Stelle “in der Nähe”, wenn man gewillt ist 2 Stunden täglich im Auto zu sitzen. Mein Mann war gewillt. Gott sei Dank!

Ganz ehrlich als ich das schrieb und anschließend durchlas, fühlte ich mich allein vom Lesen gestresst… Spielgruppe, Bandscheibenvorfall, drohende Arbeitslosigkeit und und und…

Da schwirrt einem doch der Kopf…. Dieses Tempo hält ja keiner durch. Ich übrigens auch nicht…

Was dachte ich eigentlich über mein Leben, bevor ich mich für Jesus entschied?

Ich dachte so wie ich es vor ein paar Seiten schon schrieb. Ich schrieb auf oder erzählte was ich so im Leben erlebt habe. Und es erschien mir immer einfach.Ich war 29 Jahre lang kein Christ, aber auf dem besten Wege dahin. Dann wurde ich Christ und… ja was und? Ich war mit meinem alten Leben fertig! Meine Sünden waren mir ja vergeben und mehr ist nicht nötig. Dem aufmerksamen Leser wird jedoch nicht verborgen geblieben sein, das diese 29 Jahre durchaus einen Einfluss auf mein weiteres Leben ausüben, der auch nicht verschwindet, „nur“ weil man plötzlich Christ wird.

Diese Fragen mach meiner Wertigkeit, nach meiner Berufung, nach der Gestaltung meines Lebens waren doch schon vorher da.

  • Ich war doch schon vorher leistungsorientiert! Es gab ja auch genug zu tun in einem Haushalt mit Behinderung!
  • Ich war auch schon als Kind und Jugendlicher viel krank! Da waren die vielen Herzuntersuchungen, unzählige grippale Infekte, Armbrüche und mit 15 Jahren diagnostizieren die Ärzte eine Aorthenismussstenose und eine Aorthenklappeninsuffizienz!
  • Ich hatte immer schon große Verlustängste! Ich war doch schon vorher im hohen Maße bedacht darauf, lieb zu sein! Meine Eltern hatten es ja schon schwer genug.

Ich war so sehr darauf bedacht lieb zu sein, das ich es im alter von 19 Jahren in mein Tagebuch schriftlich festhielt, damit ich es auch ja nicht vergesse! (Mittlerweile weiß ich das das das eine typische Handlung von hochsendiblen Menschen ist. Irgendwann, meist in der Jugend, halten sie ihren Wunsch „immer lieb und brav zu sein“ schriftlich fest)

Immer lieb und brav sein - Tagebuchnotizen einer 17-Jährigen

Immer lieb und brav sein – Tagebuchnotizen einer 17-Jährigen

  • Ich war schon vor der Bekehrung eine Mama und Hausfrau!

Meine Familie, mein „Muttersein“, meine Ehe, meinen Haushalt und und und das waren Menschen und Aufgaben die unumstößlich zu mir gehörten. Irgendwie setzte ich sie aber nie mit einer Berufung gleich, geschweige den mit einer „christlichen Berufung“. Das würde Gott doch nicht reichen, so dachte ich. Ich weiß auch nicht wieso, vielleicht weil diese Welt schon vor meiner Bekehrung da war. Ich hatte also die Meinung das ich, jetzt wo ich Christ war, etwas „eindeutig christliches“ dazu kommen musste. Will heißen, das ich glaubte, Gott erwartete von mir, das ich die Aufgaben als Mutter und Hausfrau jetzt ganz besonders „christlich“ leisten müsse dazu noch etwas tun müsse, was ganz eindeutig einen „christlichen Stempel“ trug.

Aber all das beleuchtete ich in dieser Zeit nicht.

Ich blieb hübsch fein im christlichen Dasein! Ich meine, da gabs ja auch genug zu verkraften….

Ich weiß noch wie mein Hausarzt meinen Verlaufs- und Entlassungsbericht, den ich nach der Not-Operation im Rahmen der Geburt des dritten Kindes aus dem Krankenhaus bekam, in die Hand nahm. Minutenlange Stille, dann sah er auf:

„Das einzig Positive in diesem Bericht ist die Tatsache das es ein Entlassungsdatum gibt“, waren seine Worte.

Ja, genau und ich muss sagen, diese „Geburtsakrobatik, gab meinem Glaubenszeugnis auch eine gewisse Würze und Spannung, als ich es später auf einem Frauenfrühstück vortug ;-).

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One thought on “Notfalls mit der Brechstange! Meine kleine Biografie! Kapitel 4 (Teil 2)

  1. Hallo, du hast wirklich viel erlebt und oft macht man sich selber den Druck alles richtig und besonders gut zu machen. Ich für mich versuche es mit Loslassen und es kommt wie es kommt und es ist wie es ist. Das hilft mir.

    Liebe Grüße
    Bo

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