Notfalls mit der Brechstange! Meine kleine Biografie! Kapitel 1 (Teil 1)

Notfalls mit der Brechstange! Meine kleine Biografie!

Notfalls mit der Brechstange! Meine kleine Biografie!

Wenn Gott durch eine verletzte Seele in dieser Welt sein Ziel erreichen kann, könntest du ihm dann nicht danken für die Verletzung?” (Oswald Chambers)

Verletzt geboren”- Auf der Suche nach Rettung

Mein Leben auf dieser Erde begann gewissermaßen schon von Anfang an mit einer Art von Verletzung.

Wir schreiben das Jahr 1971. Mein Vater arbeitete in dieser Zeit im Werbebüro eines Maschinenbau-Unternehmens. Als an seinem Arbeitsplatz das Telefon klingelte, konnte er nicht ahnen, was auf ihn einstürzen sollte. Ich war gerade mal 9 Tage alt, am nächsten Tag wollte er mich und meine Mutter aus dem Krankenhaus abholen, ab nach Hause! Alles schien so wunderbar. Eine richtig glückliche junge Familie. Meine Mutter war 21 Jahre bei meiner Geburt und mein Vater 24 Jahre. Mit 16 und 18 Jahren lernten sich die beiden kennen und lieben. Mit 18 bzw. 21 Jahren heiraten sie. Sie richteten sich ein schönes Heim ein, und „überlebten“ auch die anstrengende Zeit, in der mein Vater bei den Bundeswehr diente. Dann erwartete meine Mutter ihr erstes Kind – mich. Jetzt waren sie so eine glückliche Familie, wie aus dem Bilderbuch, wie meine Eltern es sich in den Monaten als werdende Eltern ausgemalt hatten.

Doch wie gesagt – das Telefon! Am anderen Ende meine Mutter – weinend, schluchzend, kaum des Redens fähig. Ich sei weggebracht worden, in die Kinderklinik einer anderen Stadt, man vermutete einen schweren Herzfehler!

Mein Vater ließ alles stehen und liegen und raste zur Klinik. Meine Mutter wartete schon am Eingang, im Morgenmantel, völlig aufgelöst. Man hätte bei der obligatorischen Abschlussuntersuchung abnorme Herzgeräusche festgestellt und befürchte Schlimmes! Noch hielt mein Vater alles für schnell aus der Welt zu schaffen. Noch tröstete er meine Mutter voller Zuversicht! Noch! An der Stelle konnte mein Papa ja noch nicht wissen, was in den folgenden neun Monaten alles auf sie wartete, welcher Seelen-Stress, welche Belastungsproben. Auf der Heimfahrt sprachen meine Eltern kaum ein Wort, zu vieles raste an Gedanken: Ihr Kind hatte ein Herzfehler! Warum hatte man bei der Geburt nichts bemerkt? Warum erst am neunten Tag? Sinnlose Fragen! Am Tag darauf in der Kinderklinik ließ der Gesichtsausdruck des Arztes nichts Gutes erahnen. Man wisse nicht genau was es ist, aber das Herz wachse unnatürlich schnell, schneller als der kleine Körper, und drohte an den Brustknochen zu zerreiben. Die Ärzte waren ratlos, mein Vater zunächst auch.

Meine Eltern fuhren Tag für Tag zu dieser mit so viel traurigem Leben gefüllten Station, zu ihrem Kind, zu mir. Fotos aus dieser Zeit kommen mir immer sehr unwirklich vor. Da liegt dieses Baby an Schläuchen in einem kleinen Gitterbettchen. Dieses Baby – ich!

Vorn hing ein winziger Zettel mit meinem Namen und Geburtsdatum und der handschriftlichen Notiz „notgetauft“. Oft wurde ich künstlich ernährt, und wenn möglich durften meine Eltern mich – mit Mundschutz und Kittel – auch mal auf den Arm nehmen.

Statt Fortschritte oder eine Lösung für mein Herzproblem kamen Rückschläge: Nachts schrillte das Telefon in der kleinen Dachwohnung! Meine Eltern sollten sofort kommen, da ich eine Lungenentzündung hatte. Es sähe nicht gut aus! Gottlob überstand ich auch die, aber immer noch war ich zu schwach für eine dringend benötigte Kathederuntersuchung.

Da wurde es meinem Vater zu viel. Er wollte einfach nicht mehr länger warten, er telefonierte sich die Finger wund, schrieb Hilferufe an die Presse.

Die Ärzte im Krankenhaus waren überfordert. Sie nahmen meine Eltern an die Seite und rieten ihnen „schon mal ans nächste Kind zu denken“. Ihrer Meinung nach hätte ich kaum noch Chancen gehabt.

Da setzte es bei meinem Papa aus. Er nahm mich kurzerhand mit nach Hause, „auf eigene Gefahr“, wie er unterschreiben musste. Die Ärzte versuchten vergeblich meinen Vater davon abzuhalten: „Viel zu gefährlich, das Kind kann ihnen auf der Fahrt sterben!“ Doch das machte meinen Vater nur noch wütender: „Wenn es sowieso sterben muss, wie Sie sagen, dann kann es das auch zu Hause tun!“, brüllte er durch die Station.

Nun war höchste Alarmstufe! Mein Vater entsann sich eines Lokalredakteurs, mit dem er mal beruflich zu tun gehabt hatte. Ihm schilderte er den Fall. Was für eine Eingebung! Denn fortan überschlugen sich die Ereignisse: Der Redakteur vermittelte das Gespräch mit dem Leiter einer Frauenklinik, der Jahre zuvor Assistent bei einer deutschen Herzkapazität gewesen war. Der wiederum arrangierte den Termin bei der befreundeten Leiterin einer Universitäts-Kinderklinik. Die organisierte den schnellstmöglichen Aufnahmetermin bei einem der bekanntesten deutschen Herzspezialisten. Und der entschloss sich blitzschnell mich aufzunehmen und setzte obendrein den Operationstermin fest. Einen Tag davor jedoch die Schreckensmeldung: Ich hatte mal wieder eine schlimme Erkältung, der OP-Termin musste verschoben werden. Meine Eltern drehten durch, rannten zum Professor, erregten sich fürchterlich. Doch die Angst aus der Erinnerung an die vorherige Klinik war unbegründet. Zehn Tage später würde ich operiert und gerettet.

Es muss ein unbeschreiblicher Moment für meine Eltern gewesen sein, als spät Abends der Oberarzt aus dem OP gelaufen kam, die Treppe hinunter auf meine fiebernden Eltern zu und schon von weitem freudestrahlend rief: „Wir haben es geschafft! Es ist alles gut gegangen!“ Der Lokalredakteur schrieb begeistert einen großen Artikel auf der Titelseite der Neujahrsausgabe „Noch im alten Jahr begann das neue Leben!“

Ein Jahr später, aus mir war ein knubbeliges kleines Mädchen geworden, bezogen wir eine Dreizimmerwohnung. Gut gelaunt und guter Dinge – auf in die Zukunft!

Wir konnten ja nicht ahnen…. wir konnten nicht ahnen welche Folgen meine Krankheit auf unser aller Leben haben würde.

Ich kann nur erahnen wie furchtbar die Zeit für meine Eltern war. Da die Ärzte kurzzeitig vermuteten meine Tochter habe auch einen Herzfehler kann ich nachfühlen welche „Ohnmacht“ man nach so einer Offenbarung empfindet.

Meine Eltern lebten monatelang in einer Daueranspannung – inwieweit das den Gesundheitszustand meines Papas beeinflusste werden wir wohl niemals genau wissen.

Wie sich fast ein Jahr Krankenhaussterilität mit Spritzen, Schläuchen und Kathedern auf mich auswirkten – tja… davon ist denke ich maßgeblich mein weiterer Lebensweg geprägt. Aber dazu später.

Ich freue mich, wenn du meinen Blog teilst! Du möchtest auf dem Laufenden bleiben? Dann tobe dich auf den Buttons in meiner Sidebar aus :-)!

3 thoughts on “Notfalls mit der Brechstange! Meine kleine Biografie! Kapitel 1 (Teil 1)

  1. Ich habe Gänsehaut, das ist schrecklich und schön gleichermaßen. Ich finde es wirklich sehr berührend geschrieben. Ich habe selbst ein Kind, bei dem das Leben auf der Kippe stand, da er 12 Wochen zu früh auf die Welt kam, daher kann ich gut nachvollziehen, was deine Eltern durchgemacht haben.

    Liebe Grüße

    Christine

    • Danke für deine lieben Worte! Mein jüngstes Kind kam 5 Wochen zu früh auf die Welt und ich hatte eine anschließende Not-OP – dazu in den folgenden Kapiteln mehr. Lieben Gruß, Sandra

  2. Liebe Sandra…..
    ich weiß gar nicht was ich sagen soll..
    Dein Text hat mich sehr mitgenommen, vor allem weil es eben keine fiktive Geschichte ist… Danke dass du offen davon schreibst und deine Biografie mit uns teilst. Ich bin mir sicher dass du heute eine starke, gestandene tolle Frau bist!!!
    Und ich hoffe natürlich dass der nächste Teil nach diesem so schnell wie möglich nach kommt…

    Liebst,
    Mina von Minamia.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.