„Glauben Sie an Jesus?“

Glauben Sie an Jesus?

Glauben Sie an Jesus?

Vorgestern ist Jesus gestorben. Also vor über 2000 Jahren, aber wir Christen gedenken seinem Tod an Karfreitag. Die sozialen Netzwerken quellen über vor Bildchen mit Bibelsprüchen, Dornenkronen, Kreuzen und und und.

In letzter Zeit geht es mir nicht gut. Vielleicht ist das auch einer der Hauptgründe, wieso diese Bildchen in mir vergessene Gefühle auslösen. Ich muss plötzlich daran denken, wie ich diese Bildchen früher fand, als ich noch kein Christ war. Ja, früher das liegt über 16 Jahre zurück und ich wurde damit logischerweise offline traktiert. Überall solche großen Plakate „Jesus lebt!“. Dann gab es da noch Traktate, Bibelkärtchen und vieles mehr. Ich weiß nicht, lag es an diesen Materialien oder an den Überbringern derselbigen – in mir lösten diese Dinge immer Ärger aus.

Da klingelte es an einem verregneten Karfreitag an der Türe (Wieso sind Karfreitage eigentlich so oft verregnet? Egal ich schweife ab). Also es klingelte an der Türe. Meine Mutter und ich öffneten. Eine Frau, unscheinbar gekleidet, mit ernstem, fast traurigen Gesicht, bestückt mit einem Heftchen in ihrer Hand, stand vor der Türe. „Ja bitte?“, fragte meine Mutter.

„Gauben Sie an Jesus?“, fragte uns die Frau

und zog dabei eine Augenbraue etwas vorwurfsvoll nach oben (ok, vielleicht bildete ich mir das auch ein). „Nein!“, erwiderte meine Mutter. Eine klare Frage verlangt nach einer klaren Antwort. Ich konnte meine Mutter da verstehen. Drin im Wohnzimmer ruhte sich mein Papa gerade aus. Die Multiple Sklerose machte ihm zu schaffen, er kämpfte mit einem Schub. Überhaupt kämpften wir drei oft. Ist nicht so leicht, wenn der Haupternährer der Familie plötzlich Frührentner ist,  die Tochter herzkrank und die Mutter chronisch überlastet. Also nein, wir glaubten nicht an Jesus. Wieso auch? Uns wurde er noch nicht vorgestellt. Auf keinem Amt, wo wir uns anstellten, auf keiner Strasse, wo wir mit den Bordsteinen und sonstigen Widrigkeiten der Infrastruktur kämpften. Auch in keiner Kirche, in der wir tatsächlich auch mal gingen, lernten wir ihn kennen. Da waren immer nur Paragraphenreiter, die die Ablehnung hinter dieser Paragraphen offenbar nicht zu spüren bekamen, Straßenplaner, die anscheinend alle laufen konnten, Pastoren, die unmöglich einen Rollstuhlfahrer die alten Kirchentreppen mit ihrem Talar hochtragen konnten. Aber jetzt stand ja diese Frau vor der Tür. Die wusste es doch besser. Nach dem „Nein“ meiner Mutter schnellte die zweite Augenbraue mit in die Höhe und die Dame schaute uns so ungläubig an, wie ein gläubiger Christ nur ungläubig schauen kann. Sie atmete einmal tief ein, dann wieder aus: „Wenn sie nicht an Jesus Christus glauben, dann kommen sie in die Hölle! Hier, lesen sie das,“, sagte sie mit Grabesstimme, und drückte meiner Mutter das Heftchen in die Hand. Es war verknittert und etwas feucht. Der Dame brach wohl der Angstschweiß aus.

Ich verstand nichts davon. Jesus, Hölle? Wer ist Jesus? Kenn ich nicht. Wie sollte ich auch? Ich kannte nur das Leben, welches es oftmals etwas härter mit uns meint. Ich kannte öffentliche Gebäude, wie z.B. die Kirche, in die Menschen gingen. Ich kannte Menschen, die ab und an an der Türe klingelten oder sonst wo standen und mit der Hölle drohten. Und das machte mir Angst. Ich verstand das mit der Hölle auch nicht, denn an manchen Tagen, wenn meiner Eltern wieder nicht weiter wussten, fühlte sich das schlimm an. War das die Hölle von der die Frau sprach?

Die Jahre zogen ins Land. In ein paar Tagen werde ich 45 Jahre alt. Seit 16 Jahren bin ich jetzt Christ. Da waren Menschen, die an unserer Türe klingelten. Sie sagten nicht viel, die packten  sich Möbel und Umzugskartons und halfen uns. Sie erzählten aus ihrem Leben und wie sie es gestalteten. Und da war er wieder dieser Name. Sie sprachen von Jesus. Ich verkrampfte mich automatisch.

Monate später gehörte ich dann doch zu diesen Christen. Was war geschehen? Um es mit den Worten des Fanziskaners Franz von Assisi zu sagen:

„Predige das Wort zu jeder Zeit;wenn nötig, benutze Worte.“

Es beeindruckt mich, wenn Menschen versuchen ein wenig wie Jesus zu leben. Jesus lebte seinen Glauben. Natürlich benutzten meine Freunde damals auch Worte, denn ich war sehr wissbegierig. Und so erfuhr ich wer Jesus war, wo er lebte, was er tat. Und ich erfuhr was das alles mit mir zu tun hatte. In all den Jahren fasziniert mich Jesu Menschlichkeit, also nicht die Tatsache alleine das er Mensch war, nein – das er mit seiner Göttlichkeit menschlich handelt.

Latte Macchiato & Zeit

Latte Macchiato & Zeit

Und klingel ich jetzt auch an Türen? Irgenwie schon. Das letzte mal stand ich mit Brot und Salz bewaffnet vor einer Türe und hieß die neuen Nachbarn willkommen. Oder ich stehe vor der Türe einer frisch gebackenen Mama, in der Hand ein kleines Geschenk fürs Baby. Ich liebe es wenn es an meiner Türe klingelt. Schnell einen Cappuccino gezaubert und ich habe oft Zeit.  Und Jesus? Der ist immer dabei. Mir hat einmal eine Frau gesagt, das ich so über Jesus spreche, als würde er in der Nachbarschaft wohnen. Ich werte es mal als Kompliment und ich weiß das Jesus auch in diesem Haus mittlerweile einkehren darf (ihr wisst ja er ist ganz Gentlemen, er drängt sich nie auf 🙂 ). Es ist für mich wichtig und ganz normal, normal über Jesus zu reden. Und noch wichtiger ist es, wie Franz von Assisi sagt, das Wort zu predigen und nur im Notfall Worte dazu zu gebrauchen!

In diesem Sinne mach ich mich gleich auf den Weg in den Ostergottesdienst, Jesu Auferstehung feiern!

Gesegnete Ostern wünsche ich euch! Eure Sandra

 

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4 thoughts on “„Glauben Sie an Jesus?“

  1. Hallo Sandra, ich habe deinen Blog schon vor ein paar Wochen gefunden gefunden und wollte eigentlich nicht kommentieren, aber ich mach es jetzt doch! Du gibts mir nämlich Mut, zu meinem „Sinneswandel“ auch online zu stehen – ich habe nämlich nach einigen Jahren als „verirrtes Schaf“ wieder zu Jesus und Gott gefunden, und will es irgendwie nicht mehr für mich behalten, ohne mich aufzudrängen natürlich, aber wenn mich jemand fragt, sage ich es, und ich habe das Bedürfnis, anderen etwas davon mitzuteilen. Auch wenn ich nicht wirklich an Türen klingle, hab ich das Gefühl, dass man gerade heute in diesen Zeiten dazu stehen sollte, um eventuell für andere, die unentschlossen sind oder sich nicht trauen, ein Licht anzuzünden. Ich war früher (von der Familie aus) katholisch, dann nur noch auf dem Papier, und bin dann 2011 aus der Kirche ausgetreten; ich war nie wirklich religiös (obwohl ich auf einem christlichen Gymnasium war). Jetzt bin ich 31 und letzten Herbst habe ich erst wieder so richtig angefangen, mich wieder mit dem Christlichen Glauben zu beschäftigen. Ich war schon immer interessiert an „unsichtbaren“ Dingen, am Geist wenn man das so sagen kann, aber ich lehne die überall findbare New-Age-Esoterik ab, das hat mich nie befriedigt, hatte immer das Gefühl, dass daran was faul ist. Deshalb bin ich umso mehr froh, dass ich wieder zum Christentum zurückgefunden habe. Erst jetzt, mit etwas Abstand, verstehe ich viele Dinge, die ich früher einfach nicht kapiert und deshalb als belanglos abgetan habe.

    In vielen Dingen stimme ich nicht mit offiziellen Lehrmeinungen offizieller Kirchen überein, weil ich es für mich einfach anders fühle oder Texte anders interpretiere als man (laut der Lehrmeinung) „muss“. Nochmal in irgend eine Kirche einzutreten, egal wie sie sich nennt, kommt für mich deshalb momentan nicht in Frage, ich lese aber viel (nicht nur in der Bibel, auch andere Literatur von und für Christen), denke sehr viel über das Gelesene nach und bete. Vielleicht ändert es sich ja im Lauf der Zeit, aber momentan möchte ich meinen Glauben einfach selbst (wieder-)entdecken und erfahren. Obwohl es keinen Schicksalsschlag oder etwas ähnliches gab, hat mich das Leben fast automatisch wieder zu Jesus geführt – er sammelt seine Schäfchen ein und hat mich gefunden, hab ich das Gefühl 😉 Jedenfalls wollt ich dir sagen, dass ich deinen Blog super finde und ab jetzt zu deinen Lesern gehöre.

    LG, & frohe Ostern, Alex

    • Liebe Alex! ich freue mich sehr über deinen lieben Text. Ich fragte mich heute, wer meine Texte bloß so liest und ob sie jemanden „etwas bringen“. Ja manchmal fragt man sich das. Die Wenigsten kommentieren ja etwas. Und gerade heute, wo ich darüber nachdachte (äh ja meine Selbstzweifel die da immer mal kommen 😉 ), bekomme ich gleich zwei ermutigende Nachrichten. Du und eine Frau mittels einer Nachricht auf meiner Facebookseite. Dafür danke ich dir sehr. Es macht mir sehr viel Freude ungeschminkt über mein Leben zu berichten (und alles erzähl ich auch nicht 😉 ). Auch jetzt oder gerade jetzt, wo ich seit Monaten in einer „Aufarbeitungssituation“ stecke, schreibe ich. Mich selbst haben immer mehr die „unperfekten“ Gläubigen fasziniert, alles andere machte mir nur Angst. Ich bin nicht perfekt und ich bildete mir ein, die anderen wären es. Dabei haben wir doch alle unsere Kämpfe und Pakete im Leben. Ich wünsche dir alles Gute und echt Gottes fetten Segen. Bis bald mal, Sandra

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