Gebetserhörung

Gebetserhörung

Vor ein paar Tagen bat mich eine Bekannte für ihre Freundin zu beten. Die Freundin hat Krebs, eine Operation zur Entfernung des Tumors stand ins Haus, sie bat mich um Heilung zu beten. Die Operation verlief gut, alles konnte entfernt werden. Am Ende ihrer Ausführung schrieb sie:

„Danke für dein Gebet!“

Und irgendwie ließ mich das nicht mehr los. Es kam in letzter Zeit „häufiger“ vor das mich Menschen mit der Bitte für Gebet in „brenzligen“ und/oder für sie wichtigen Situationen kontaktierten. Dabei handelte es sich um Freunde und Bekannte, die ich teilweise jahrelang kenne, und auch Bekannte, die ich erst seid Kurzem habe. Vielleicht ist das ja „normal“ unter Christen und durch mein langes Leiden unter der PTBS war ich einfach außen vor – hatte ich ja auch kaum noch soziale Kontakte gehabt in der Zeit. Andererseits kennen mich viele schon lange… also was ist anders geworden, das es etliche Menschen gibt, die Gott durch meine Gebete offenbar „etwas zutrauen“.

Ich wollte diese Überlegungen gerade wieder beiseite legen, als mich eine Nachricht erreichte, die mit den Worten

„Danke für deine Gebete für … Ich durfte ja selbst schon erleben, was dein Gebet bei mir bewirkt hat“

endete.

Da war es schon wieder, klarer konnte man es kaum formulieren. „Mein Gebet“ löste etwas  aus – bei anderen, bei Gott und vor allen Dingen gerade in mir und meinen Gefühlen.

So oft betete ich und habe das Gefühl gehabt das nichts Wesentliches passierte. Und das obgleich Jesus uns allen ja eine „Vollmacht“ gibt, wenn wir in seinem Namen beten.

Und was irgend ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde in dem Sohn. (Johannes 14,13)

„Vollmächtig“ fühlte ich mich doch eher selten in diesen Momenten. Deswegen überraschte und überrascht es mich vielleicht auch so, das es Mitmenschen gibt, die meine Gebete so ganz anders empfinden.

So wies ich diesen Dank und diese Ermutigung innerlich demütig (eingeschüchtert?) zurück. Was ist denn mit dem Gebet, welches ich immer wieder für mich spreche? Ich möchte weniger oft krank werden und vor allen Dingen dieser schlimme Husten soll endlich aufhören. Der macht mir oft Angst. Und nichts geschieht. Und unser Freund? Ich habe wirklich schon so inbrünstig um Heilung gebetet und es scheint nicht voran zu gehen.

Im Gründonnerstags-Gottesdienst lasen wir die Zeilen in der Bibel vom Passahmahl bis zur Kreuzigung Jesu. Jesu Kampf, den er im Garten Gethsemane hatte, als er „für sich selbst bat“. Sein Gebet, sein Wunsch, der bittere Kelch möge an ihm vorüber gehen. Gott erhörte dieses Gebet nicht in der Form, der Kelch ging nicht an ihm vorüber.

Jesus ging ans Kreuz.

Gebetserhörung
Gebetserhörung

Vor einer Weile stand ich im Leben an einem Punkt, wo ich anfing mich ernsthaft mit dem „Warum“ und „Wozu“ im Leben auseinander zu setzen. Es gibt ein „Wozu“, wie ich in der Seesorgeausbildung gelernt habe. Frage ich im Leben ausschließlich nach dem „Warum“, dann ist Frust vorprogrammiert. Frage ich an den richtigen Stellen nach dem „Wozu“, ist dies mit der Frage nach einem Ziel verbunden.

Bei Jesus war das „Wozu“ ein ganz großes Ziel. Lebenswichtig! Lebenswichtig für uns Menschen!

Seine Tat zeigt mir „im Großen“, was es bedeutet, wenn ein Gebet nicht erhört wird. Gott hab Dank musste und muss ich diesen Weg, den Jesus ging, nicht gehen.

Ich kann seinen Weg aber „herunterbrechen“ auf meinen Alltag. Da gibt es genug Schicksalsschläge, Krankheiten und  (augenscheinlich) nicht erhörte Gebete mit wichtigen Anliegen von mir.

Das „Warum“ benutze ich, um meine Gefühle, meine Vergangenheit zu verstehen, die mein Handeln immer wieder geprägt hat (und bis heute leider hier und da noch beeinflusst). Das Schöne dabei ist, das diese „Warums“ eine höhere Chance haben, beantwortet werden zu können. „Warum habe ich bis heute übertriebene Angst, wenn mir eine Krankenschwester einen Zugang legen will?“ „Weil ich als Baby viel zu viele Zugänge gelegt bekommen habe.“

„Warum ich?“ „Warum hat Gott das zugelassen!“

Schon beim Schreiben dieser Fragen bekomme ich Depressionen. Viel zu lange habe ich diese Fragen in solchen Zusammenhängen gestellt. Es entsteht ein Teufelskreis aus Depressionen, noch mehr Angst, Selbstzweifel…. und und und… Je nachdem wie (un)aufgearbeitet das eigene Gefühlsleben und die eigene Vergangenheit ist, kann sich das ins Unermessliche steigern.

Setze ich hier ein „Wozu“ an den Satzanfang, dann erkenne ich viele Situationen, in denen eine vermeintliche schlimme Situation zum Segen wurde. Ich wurde zum Beispiel reifer und emphatischer für die Leiden anderer Menschen. Manches weckte mein Interesse, mehr über bestimmte Themen (zum Beispiel Seelsorge) zu erfahren. Es zeigten sich Perspektiven für die Zukunft. Ziele, die sich lohnen, erreicht zu werden.

Klar, ich wäre kein Mensch, wenn ich es mir nicht auch anders gewünscht hätte. Ich hätte gerne auf Panikattacken, eine Horrorgeburt mit Not-Op oder was immer verzichtet. Ich wünschte Gott hätte meine Gebete in dieser Zeit nach meinem Willen erhört – und vor allen Dingen unmittelbar. Wer will solche Dinge schon gerne in seinem Lebenslauf haben???

Durch diesen Lernprozess, dieses Wissen und diese Gewissheit bin ich grundsätzlicher in vielen Dingen ruhiger und gelassener geworden. Ich konnte emotional ein ganzes Stück reifen. „Dann ist das jetzt so!“ ist nicht einfach ein daher gesagter Satz von mir.

Ich sage nicht, das das leicht ist. Ob ihr es glaubt oder nicht, gerade jetzt, wo ich genau das schreibe, bin ich etwas zu sehr im „Warum“- Modus gelandet. Deswegen kamen vielleicht auch diese Überlegungen und der Wunsch das mit euch zu teilen.

An manchen Tagen möchte ich kein „Wozu“ haben.

Ich möchte nicht, das ich dieser „Wozu-Mensch“ bin,

der im Leben eines anderen vielleicht einmal durch das eigene Leiden „Perspektive und Mut“ vermitteln kann. Ich möchte „Sofort-erhörte-Gebete“ haben, möchte das so mancher schlimme Kelch an mir vorbei geht. Ich denke das ist allzu menschlich. Wir möchte gerne das Paradies zurück haben. 

Gebetserhörung
Gebetserhörung

Es geht um eine grundsätzliche Lebensstiländerung. Um das grundsätzliche Wissen, „warum“ und „wozu“ etwas im Leben geschieht.

Und ab und an muss sich selbst das gereiftere „Erwachsenen-Ich“ dann mit dem nörgelnden „Kind“ in uns auseinander setzen, welches nach Gummibärchen, „Sofort-erhörte-Gebete“ und Kelchen gefüllt mir süßen Smoothys quengelt.

Letzten Endes ist unser Leben hier eine Reise, auf der wir, wenn wir diesen Weg mit dieser Einstellung in unserer menschlichen Schwachheit weiter gehen, weiser und weise werden können und dürfen.

♥-lichst Sandra

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4 Gedanken zu „Gebetserhörung

  1. Ich wünsche der Freundin deiner Bekannten alles Gute, hoffentlich wird sie schnell wieder gesund. Schön, dass du sie mit guten Gedanken unterstützen konntest, in solch einer Situation ist das ein guter Trost!

    Ich wünsche dir ein ruhiges Osterfest im Kreis deiner Liebsten!

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Hallo meine liebe.
    Ich wünsche dir und deiner Familie wunderschöne Feiertage. Ich bin ja der Typ Mensch, der von „Gott“ wirklich keine Ahnung hat, finde die Religion aber sehr interessant und liebe es, wenn jemand einblicke dazu gibt. Ich wünsche deiner Bekannten alles liebe und hoffe, dass sie schnell wieder Fit wird.

    Liebe Grüße

  3. Geht es wirklich um das wissen warum bzw. wozu etwas geschieht? Nach 1000 Warumfragen kommt man wohlmöglich früher oder später wieder am Ursprung an und dreht sich im Kreis ohne wirklich mehr zu wissen…

    1. Menschen, die sich tatsächlich ausschließlich im Kreis drehen, sind in der Regel noch nicht bereit für eine Lebensstiländerung. In der Seelsorge sagt man dann das ihr „subjektiver Gewinn“, den sie aus ihrer derzeitigen Lage ziehen, noch größer ist, als ihr „Leidensdruck“.

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