Die Menschen lieben

Kleidung im "Afrikastyle" - Muss man einfach lieben!

Kleidung im „Afrikastyle“ – Muss man einfach lieben!

Heute morgen bin ich in den Gottesdienst gegangen. Nach Wochen, in denen ich mich zurück zog, stand ich vor dem Kleiderschrank und scheiterte schon fast am Anziehen. Draußen regnete es. Also Jeans an, mein weinrotes T-Shirt drüber und die lange weiße Strickjacke dazu. Durch den Umbau unseres Schlafzimmers (oh da hast du verpasst? Dann bitte hier entlang: http://meinsommerzimmer.klimmdesign.de/homesweethomeschlafzimmer )  habe ich jetzt im Wäscheschrank eine Ecke errichtet,in der ich ganz praktisch Zugang zu meinem Geschmeide habe. Meine schöne alte Schmuckkiste ist jetzt mit einem Handgriff zu erreichen und somit auch mein (Mode)schmuck. Heute kleidet mich die schöne Kette, die mir mein Sohn aus Afrika mitbrachte.

Schmuckkästchen

Schmuckkästchen

Im Bad schnell die Augenbrauen nachgezogen und etwas (normal und nicht biologischen) Lippenstift drauf. Ja ich gebe es zu, die „pädagogisch wertvollen“ versagen bei mir immer wieder. Ich bin im Bad ebenso wie in der Küche fast natürlich unterwegs. Shampoo, Duschgel, Badeschaum, Seife und und und… aber sämtliche Lippenstifte der biologischen Sorte enttäuschten mich bisher. Vielleicht hat da jemand einen Rat…äh aber ich schweife ab.

Man, bin wieder voll Scanner, hüpfe von einem Thema zum anderen. Jedenfalls – hübsch(?) angezogen hielten wir pünktlich Einzug in die „Heiligen Hallen“. Insgesamt fiel mir die „Veranstaltung“ schwer. „Veranstaltung? Hä?“ Darf sie das so sagen? Immerhin ist das ja ein christlicher Blog.  Manchmal ist „natürlich glauben“ mehr „natürlich“ als „glauben“. Das macht den natürlichen Glauben ja aus. Und in letzter Zeit läuft bei mir eher „natürlich“ als „glauben“ ab. Das Leben hat mich (wieder mal) sehr durchgeschüttelt. Aufmerksame Leser unter euch  haben es bestimmt gemerkt. An dieser Stelle ein herzliches „Danke schön!“ an meine neue Leserin Sahra , selbst Bloggerin von sensiblen ansprechenden Themen. Sie liest meinen Blog aufmerksam, liest zwischen den Zeiten, urteilt aber verurteilt mich nicht. Ein gutes Gefühl. Ich werde oft verurteilt, allen voran von mir selbst aufs Schärfste. Und so verurteile ich mich für meinen kürzlichen, äh nennen wir es mal „Zusammenbruch“ (auch schon wieder so ein doofes, abgenutztes und unzureichendes Wort). Ich fühle mich wie in eine Blase sitzend. Und das liegt nicht nur daran, das mein Ohr in letzter Zeit so oft zu ist, es ist eher innerlich.

Kürzlich lief ich mit dem Hund, und da war dieser Satz in mir, der in Kurzform ein Stück weiter erklärt, warum ich da stehe wo ich stehe:

Es war immer zu wenig Zeit vorhanden zwischen den einzelnen Schicksalsschlägen, um sie zu verarbeiten; zu wenig Raum da, zum Zurückziehen in den Kriesen und zu wenige Menschen als soziales Gefüge an meiner Seite, um die Last, die ich empfand, auf mehrere Schultern zu verteilen.

Heute war ich im Gottesdienst. Thema: Lukas 6, 27 – 36

Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht. Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben ihre Freunde. Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Denn die Sünder tun dasselbe auch. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon? Auch die Sünder leihen den Sündern, damit sie das Gleiche bekommen. Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

Die Predigt berührte mich schon, aber nicht in dem Sinne, wie es der Referent wohl meinte. Die Botschaft lag darin, uns für andere Menschen, auch die, die wir vielleicht (gelinde gesagt) nicht so mögen, zu sensibilisieren. Platt ausgedrückt:

Wir sollten lernen DIE MENSCHEN zu lieben. Also alle Menschen, auch die, die uns auf den Keks gehen oder die uns irgenwie egal sind.

 

Und ich weiß, was ich jetzt sage, wird vielleicht etwas komisch klingen:  Die Hauptbotschaft (also Grundeinstellung), das wir DIE MENSCHEN lieben sollen, die ist für mich meistens nicht das Problem. Das heißt nicht, das ich alles richtig mache, immer hübsch fein für alle bete und alle segne, die mir übel mitgespielt haben; mich niemals aufrege, wenn ich etwas verleihe und nicht wieder bekomme (ist schon öfter passiert). Nein, das meine ich hier nicht. Ich meine die Grundeinstellung, die Jesus von den Menschen fordert. Wie oft prüfen wir erst, ob wir jemanden sympatisch finden, bevor wir nur den kleinsten Finger für ihn rühren.

Und da fängt mein „Problem“ an.  Wo ich auch gehe und stehe, sei es im vollen Gemeindesaal, oder im Baumarkt, oder im Restaurant…. ich sehe immer DIE MENSCHEN.

Ein paar Beispiel, um es zu verdeutlichen: In der Eisdiele sitzt diese dicke Frau und löffelt ein ebenso dickes Eis. „Warum tut sie das?“, frage ich mich. „Hat sie aufgegeben, ist ihr alles egal? Braucht sie eine Freundin?“ Ich zwinge mich weiter zu gehen. „Man ist die Frau an der Kasse muffelig“, denke ich noch und wünsche ihr noch im selben Augenblick ein schönes Wochenende. (????) In der Gemeinde treffe ich diese ältere Dame. Ich wollte sie besuchen, aber ich schaffte es nicht. Es war „nur“ Zeit für eine kleine Ermutigungskarte gewesen. Bestimmt ist sie einsam … es rattert in meinem Kopf. Im Baumarkt weint das Kind. Die Mutter schimpft, versteht nicht, das das Kind weiter hinten ihr Stofftier verlor. Ich bin schon längst los gerannt, um es zu holen. Am Nebentisch im Restaurant weint das Baby. Die Eltern kommen kaum zum essen. Eigentlich könnte ich mich doch anbieten es herum zu tragen und rücke schon den Stuhl zurück. Mein Mann schaut mich an. Ja ich weiß, ich bin selbst am Ende, es grenzt schon an ein Wunder das ich heute mal mit meinem Mann essen gehen kann. Entweder habe ich Schmerzen oder er ist dienstlich unterwegs. Das ist unser Abend! Ich rücke den Stuhl (leider mit einem leicht unbehaglichen Gefühl) wieder ran.

Steht mir der Abend denn jetzt nicht zu? Muss ich das Spielzeug aller weinenden Kinder einsammeln? Hat die Kassiererin nicht eine patzige Antwort verdient, oder mindestens mal das ich sie böse ausgucke? Ich fühle mich IMMER verantwortlich. Egal ob ich möchte oder nicht, ich stecke plötzlich in den Themen der Mitmenschen drin. Und das noch bevor ich mir über Sympathie oder Nicht-Sympathie überhaupt Gedanken machen konnte.

Das Internet ist voll von diesen Sensibilitätsthemen. Es wird mehr und mehr der „Topseller“ unter den menschlichen und/oder christlichen Gaben. Ich sitze erschöpft zu Hause und frage mich, wieso es sich nicht annähernd wie eine Gabe anfühlt.

Es kostet schlichtweg sehr sehr viel Kraft. Und angenehm ist es auch nicht immer, wenn du deinem Gegenüber, der dir gerade sein „Freud‘ und Leid“ erzählt, nicht aufmerksam zuhören kannst, weil im hinterem Raum ein Kind nach seiner Mama weint (ich weiß wo die Mama ist, und könnte das Problem schnell lösen).

Es ist auch nicht angenehm immer über alle sprichwörtlich dicken Frauen im Eiskaffee nachzudenken, oder über die Einsamkeit der Senioren, der Muffeligkeit der Kassiererinnen oder schreiende Babys in Restaurants.

Wie kann ich DIE MENSCHEN lieben und mich gleichzeitig abgrenzen?

Wie kann ich alles sehen was getan werden muss, ohne mich (wieder mal) zu überlasten? Und überhaupt? Müsste ich nicht viel belastbarer sein? Ich kenne Menschen, die locker doppelt so viel am Tag stemmen wie ich, währen ich schon längst wieder krank oder erschöpft in der Ecke liege. Das sind alles Fragen und Dinge, die mir besonders in den letzten Wochen (wieder) durch den Kopf gehen . Dass ich DIE MENSCHEN in ihrem eigenen großen oder kleinen Elend sehe, ist sicherlich nur ein Aspekt, warum ich da stehe, wo ich gerade stehe.

  • „Gib es an Jesus ab!“
  • „Jesus ist immer bei dir!“

Das sind die Grundbotschaften der Lieder, denen ich heute im Gottesdienst lauschte. Ich konnte so wenig mitsingen. Kürzlich hab ich angefangen alle Dinge, die mich umtreiben und die ich mache, in ein Notizbuch (ScannerBuch) aufzuschreiben. Es war viel zu viel!!!! Und leider auch viel zu spät! Ich lud mir auf und lud mir auf. Alles Dinge, die gut sind, die sogar zu mir passen… aber zu viel für mich, für meine starke Wahrnehmung, für meine körperliche und seelische Gesundheit und und und. Ich habe aber nicht gewusst, das ich vorm persönlichen Supergau stehe!

Und die Moral von der Geschicht‘? Lieb die anderen Menschen nicht! Nein, das war jetzt etwas zynisch. Seht ihr, das kann ich auch 😉 . Ne mal ehrlich: Alle, die sich jetzt angesprochen fühlen, die auch mit diesem „Retter-Syndrom“ ausgestattet sind, hoffe ich, hiermit eine Grundlage zum Nachdenken gegeben zu haben. Ich habe leider noch keine praktische Lösung gefunden. Problem erkannt, aber noch lange nicht für die Zukunft gebannt. Und eine Patentlösung kann es auch nicht geben, denn jeder Mensch ist einzigartig.

Schön, das ich etliche treue Leser auf meinem Blog habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn von den ca 200 Menschen, die täglich auf meinem Blog lesen, noch mehr „Offizielle“ folgen würden. Oder/und mir mal schreiben. Ich habe ca. 20 eingetragene Follower auf meiner Seite und jeder einzelne registrierte Name auf meinem Blog macht es für mich ein Stück weit greifbar, das meine Geschichte echt gelesen wird.

In diesem Sinne euch einen schönen Sonntag Abend!

Eure Sandra

Ich freue mich, wenn du meinen Blog teilst! Du möchtest auf dem Laufenden bleiben? Dann tobe dich auf den Buttons in meiner Sidebar aus :-)!

5 thoughts on “Die Menschen lieben

  1. Liebe Sandra,
    danke für den tollen Beitrag! Es ist toll, dass es Menschen wie dich gibt, die am liebsten die ganze Welt retten würden und an denen das Leid und die Bedürfnisse anderer nicht spurlos vorbeigehen! Es gibt genug Leute, die es einfach kalt lässt.
    Vielleicht ist es ein Weg, dass du Gott bittest, andere Menschen zu berufen, in die Leben positiv einzuwirken, die dir auf dem Herzen liegen, aber zu viel werden. Sieh dich am besten als Teil von Jesu Leib, ein vollwertiger, ob du hilfst oder nicht – aber wenn du Frucht in deinem Bereich bringst, kommt das dem Gesamten zugute und ist sehr viel wert 🙂 Für die anderen muss auch noch was übrig bleiben 😉 Liebe Grüße! Anne

    • Das habe ich auch schon versucht. Interessanterweise nannte ich das damals schon „scannen“. Also will heißen, das ich die Menschen sehe und wahrnehme, aber wenn ich mich darum kümmern „soll“, dann soll Gott sie mir ein zweites Mal aufs Herz legen. Aber irgendwie klappte es nicht. Zum einen liegt es daran, das mein Gehirn sofort „rattert“ wenn ich Begebenheiten wahrnehme, zum anderen weil mir die Menschen teilweise mehrmals oder auch regelmäßig „über den Weg laufen“. Laut meiner „Regel“ müsste ich mich dann um ich weiß nicht wie viele Menschen Menschen kümmern. Ich muss mal nachdenken. Ich danke dir auch für deine lieben Worte. Das tut mir sehr gut. Und ich erfreue mich gerade daran, das ich wieder schreiben kann. Ich habe derzeit so viele „Blockaden“ aber das Schreiben fällt dann doch nicht so sehr darunter. Alles Liebe dir, liebe Anne!

  2. Liebe Sandra,
    ich musste deinen Beitrag zweimal lesen, bevor ich ihn wirklich kommentieren kann.
    Ja, ich kann dich verstehen. Ja, ich fühle mich ganz oft genauso und ja, ich frage mich auch ständig, was ich dagegen tun soll. Oft frage ich mich dann, ob ich denn die einzige bin, die so aufmerksam ist, die Dinge sieht und helfen will, aber es ist schön, zu lesen, dass es nicht so ist.
    Dass du dich an Gott wendest, ist da bestimmt die beste Lösung. ER hat für jeden Menschen eine Aufgabe und eine Bestimmung, vielleicht muss es bei dir nur „Klick“ machen und du erkennst, wie du dich mit deinem „Helfersyndrom“ (ich weiß, das klingt blöd :D) in die Gemeinschaft einbringen kannst, ohne dass es dir selbst schaden muss.
    Übrigens finde ich es unglaublich, dass du all deine Gedanken und Gefühle so in Worte fassen kannst. Mir fällt das immer sehr schwer, ich kann es spüren aber nicht beschreiben.
    Liebe Grüße,
    Sophie

    http://www.sophiessofa.blogspot.de

    • Hallo Sophie! Ich weiß, als ich es schrieb dachte ich, das einige Menschen sogar denken, ich sei eingebildet, da es im ersten Augenblick wie Eigenlob klingt. Ich wünschte manchmal, es wäre so einfach. Oft stehe ich mir selbst im Weg. Ich freue mich übrigens sehr, das meine Beiträge von einigen so aufmerksam gelesen werden. Ich liebe es zu schreiben. Und fast hätte ich sogar bei dem Blog einen (üblichen) Fehler gemacht. Ich hätte mich auch hier fast unter Druck gesetzt. Am Liebsten würde ich ein Buch schreiben über all diese „Geschichten“ in meinem Leben. Aber dafür ist mein Leben noch zu unruhig. Danke für deine lieben Worte!

  3. liebe sandra:) ich finde diesen eintrag sehr sehr schön:) und was ich dazu sagen möchte ist einfach, schau auf dich. wenn es dir selbst gut geht, dann erst kannst du anderen menschen helfen. du weißt auch gar nicht, ob immer all die menschen um dich herum, wo du glaubst, sie brauchen hilfe, deine hilfe brauchen. manchmal müssen diese menschen auch mal eine „blöde situation durchleben“, damit auch sie reifer werden.. es hat alles einen grund. ich finde es sehr schön, dass du diese fähigkeit und diese weitsichtigkeit hast. aber in erster linie muss es dir gut gehen. du darfst nicht erschöpft sein, du darfst voller kraft und energie sein und dann kannst du anfangen, den menschen um dich herum zu helfen.
    alles liebe lisa

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