„Behinderte die werden behindert, behinderter als sie sind!“

Behinderte die werden behindert, behinderter als sie sind.

Behinderte die werden behindert, behinderter als sie sind.

„Behinderte die werden behindert, behinderter als sie sind!“

Das war der Refrain eines Liedes, welches mein Vater vor vielen Jahren einmal textete. Er setzte sich, durch die Gründung der Selbsthilfe-Gruppe „RaBe“ ( Rollstuhl aktive Behinderte) für das Wohl und die Gerechtigkeit von Behinderten in der Gesellschaft ein. Das war 1980, im Jahr der Behinderten. Jeden Mittwoch trafen sich Behinderte und Nicht-Behinderte im „RaBen-Nest“.

Aber beim Liedtext „Behinderte die werden behindert, behinderter als sie sind!“ blieb es nicht!

Unser Telefon zu Hause stand eigentlich nie still. Mein Vater half vielen Menschen durch den Behördendschungel, wenn es mal wieder um Sozialhilfe, Krankengeld, einen zugeparkten Behindertenparkplatz und und und ging.

Unterstützung fand er auch im Reich der Prominenz. Bügermeister, Minister- und Bundespräsidenten, Showmaster und dergleichen wurden von uns besucht bzw. besuchten auch uns. Ich weiß noch wie aufgeregt ich war, als Alfred Bioleck uns zu Hause besuchte. Wir gestalteten Demos, damit endlich mal die Bordsteine an so vielen Straßenübergangen vernünftig gesenkt wurden und der Bahnhof endlich einen barrierefreien Zugang erhielt. Nicht selten wurden Presse und Regionalfernsehen aufmerksam. Ich gebe zu, als Kind fand ich es dann immer spannend gewisse Statistenrollen in der Produktion der Fernsehbeiträge zu übernehmen.

Vor zwei Tagen wäre mein Papa 70 geworden. Tatsächlich ist er mit 47 Jahren gestorben. Schon 3 Jahre zuvor hatte er den Vorsitz der RaBe-Gruppe abgeben müssen. Die Multipe Sklerose setzte ihn zu, dann bekam er offene Stellen am Körper (sogenannte Dekubiti). Am 18. September 1994 besuchte ich ihn im Krankenhaus. Er sagte mir noch wie lieb er mich hat und freute sich, das ich wieder mal den ganzen Papierkram bezüglich seiner Krankenhauseinweisung erledigte.

„Ich habe dich auch lieb, bis morgen!“, verabschiedete ich mich.

Es sollte jedoch kein Morgen mehr geben. Das ist jetzt 23 Jahre her und ich vermisse diesen wunderbaren Menschen immer noch sooooo sehr.

Und gerade vorgestern ist meine Freundin Naemi so aufgewühlt von ihrem Tag, das sie einen eindrücklichen Blogpost zum Thema Behinderung schrieb ( http://samea-tirza.blogspot.de/2017/05/behinderung.html ).

Dort fordert sie uns in jeder Zeile heraus, sich verschiedenen Fragen zu stellen.

Ist man eine Behinderung in der Gesellschaft, oder wird man behindert von der Gesellschaft?

Wo fängt Behinderung an?

Dürfen Behinderte ihr Potential entwickeln?

Naemi erlebe ich als starke Frau, die sich Tag für Tag für die Belange ihrer Familie einsetzt. Das ist doch eigentlich ganz „normal“, das machen wir doch alle mehr oder weniger, oder?

Ja, es könnte alles ganz „normal“ sein, müssten sie und ihre Familie nicht immer und immer wieder diese oft lähmende „Sonderbehandlung“ ihrer wunderbaren Tochter mit großem Kräfteaufwand umschiffen.

Sie weiß worüber sie schreibt!

In Anlehnung ihrer Textpassage zum Thema „Frucht bringen“ fällt mir ein Bibelspruch in die Hände:

Werden Behinderte behinderter als sie sind, oder dürfen sie auch Frucht bringen?

Werden Behinderte behinderter als sie sind, oder dürfen sie auch Frucht bringen?

Ich meine doch, das das für jeden Menschen gilt, oder?

♥-lichst Sandra

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3 thoughts on “„Behinderte die werden behindert, behinderter als sie sind!“

  1. Huhu..

    Also ich musste jetzt mehrfach dein titel lesen ^^. Irgendwie klang das am Anfang etwas seltsam. Also ich finde schon, das Menschen die eben „Behindert“ sind, oftmals auch so behandelt werden. Dabei finde ich, dass sie es genauso verdient haben, wie ein normaler Mensch behandelt zu werden. Sie brauchen eben oftmals etwas länger am Lernen oder können nicht so Körperlich. Aber egal. deinen Text finde ich schön geschrieben. Das mit deinem Vati, tut mir leid.

    Alles liebe

  2. Ich finde deinen Beitrag gut, auch wenn ich jetzt nicht so den Leitfaden im Text erkennen konnte. Aber liegt vielleicht auch nur an mir.
    Liebste Grüße
    Carmen ♥

  3. Was für ein toller Blogpost! Ich fühle mich ganz aufgewühlt nach dem Lesen. Er bringt mich wirklich zum Grübeln und Nachdenken…

    Ganz liebe Grüße
    Sharela

    PS: Gott habe deinen Papa selig.

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